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Diese älteste mitteleuropäische Zeitschrift dieser Thematik informiert über aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse durch Originalarbeiten und Tutorials, Nachrichten, Reportagen, Interviews, Kommentare, Rezensionen, Personalia und Veranstaltungshinweise, kurzum: In der »Zeitschrift für Audiologie« steht alles Wissenswerte aus diesem und den benachbarten Fachbereichen wie der Pädaudiologie, Logopädie, HNO-Heilkunde, Hörgeräte-Akustik, Audiometrie, Hörgeschädigtenpädagogik etc. Darüber hinaus verbreitet die Zeitschrift die Mitteilungen der Deutschen Gesellschaft für Audiologie.

 

Dem internationalen Charakter entsprechend, erscheinen die Originalarbeiten und Tutorials in der »Zeitschrift für Audiologie« optional in englischer Sprache (mit deutscher Kurzfassung) oder deutschsprachig (mit Summaries in Englisch). Die Tabellen- und Bildlegenden sind stets zweisprachig.

 

Für die Qualität des redaktionellen Inhalts bürgt ein Expertenteam der verschiedenen Fakultäten aus dem In- und Ausland.

 

Die Online-Plattform ist das Zentralarchiv aller wissenschaftlichen Beiträge der Fachzeitschrift und steht allen DGA-Mitgliedern und Abonnenten kostenlos im geschlossenen Bereich zur Verfügung. 

 
Audiological Acoustics | Aus der aktuellen Zeitschrift für Audiologie
Z Audiol 2014; 53 (3) 98-109 - Goebel / Günther

Assessment of decreased sound tolerance (hyperacusis) with suprathreshold audiometry: Evaluation of a new method based on categorial loudness scaling (Würzburger Hörfeld ) to classify the severity of hyperacusis

 

Nachweis der Geräuschüberempfindlichkeit (Hyperakusis) mit überschwelliger Audiometrie: Evaluation eines neuen Verfahrens auf Basis der kategorialen Hörfeldaudiometrie (Würzburger Hörfeld) zur Klassifizierung des Hyperakusis- Schweregrades

 

Gerhard Goebel 1, Susanne Günther 2
1 Schön Klinik Roseneck, Prien am Chiemsee, Deutschland
2 SRH Hochschule Heidelberg, Deutschland

Abstract | Decreased sound tolerance (DST) is a disorder which affects about 5–10% of the population increasing with age. Approximately one-third of the persons show comorbidity with chronic tinnitus. It is still insufficiently researched in its symptomatology, categorization, diagnosis and treatment, which is particularly due to the lack of a generally-accepted assessment instrument. The objective assessment of DST is difficult because the classic instruments of suprathreshold audiometry and the uncomfortable loudness levels (UCL) do not correlate well with DST. Subject: The subject of this study is the evaluation of an instruction-independent psychoacoustic instrument for a systematic assessment of DST. There is some evidence that in addition to self-reporting methods (hyperacusis questionnaires) and structured interviews (STI), measurements based on categorial loudness scaling (eg Würzburger Hörfeld, WHF) may have higher diagnostic sensitivity than the measurement of loudness discomfort levels (Krause 2007, Flötzinger 2007, Schöffel 2012, Berthold 2013, Goebel et al. 2013 and 2014). Initial studies indicate the possibility to achieve a reliable classification of DST with the WHF based on the slope of the individual loudness functions. Method: The data set consists of a sample described by Berthold & Goebel (2013) and another 50 patients who were treated at the Schön Klinik Roseneck, a medical-psychosomatic hospital at Prien/Chiemsee (n=246). All participants were subjected to a structured, standardized clinical and psychoacoustic diagnostic assessment including the WHF and the Mini-Hyperacusis-Questionnaire (HQ9). Included were only those patients with hearing losses up to 50 dB (250 to 8000 kHz) to exclude recruitment patients. The total sample consisted of 113 (45,9%) women, 133 (54,1%) men. The average age was 50.3 ≥ 9.6, (range 18–77years). Results: The Delta_dB values defined as differences between the intersections of the individual loudness functions with the lower and upper borderlines of the normal range (95% confidence interval) show a higher internal consistency (α=.848) than the points of intersection itself (α=0,423 or α=0,750). There is a medium negative correlation with a correlation coefficient of -.366 (p <.01) between the four frequency (500, 1000, 2000 and 4000 Hz) average of the Delta_dB values (called Delta_dB4) and the total score of the Mini-HQ9. The value of Delta_dB4 in patients with hyperacusis (HC) is at 32.3 in contrast to 53.5 in patients without HC and differs significantly (p <.01). Interpretation: The WHF seems to be a valid and largely instructional-independent psychoacoustic instrument for the diagnosis of DST and better then UBS.

 
Keywords: decreased sound tolerance, hyperacusis, suprathreshold audiometry, recruitment, categorial loudness scaling, Würzburger Hörfeld, uncomfortable loudness level, Mini-Hyperakusis Questionnaire (Mini-HQ9), Tinnitus, Hyperacusis Inventory HKI
 
Zusammenfassung | Geräuschüberempfindlichkeit (GÜ) ist ein Beschwerdebild, welches knapp 5–10% der Bevölkerung betrifft, bei ca. einem Drittel der Personen mit chronischem Tinnitus als komorbide Symptomatik vorkommt und mit dem Alter zunimmt. Es ist in seiner Symptomatologie, Kategorisierung, Diagnostik und Therapie noch unzureichend erforscht, was im Bereich der Diagnostik besonders durch den Mangel eines allgemein anerkannten Erhebungsinstrumentes deutlich wird. Die objektive Erfassung der GÜ fällt schwer, da die klassischen Instrumente der überschwelligen Audiometrie wie die Unbehaglichkeitsschwelle (UBS) geringe Beziehungen zur GÜ aufweisen. Fragestellung: Ziel der Untersuchung ist die Evaluation eines instruktionsunabhängigen psychoakustischen Instrumentes zur Erfassung der GÜ. Es gibt einige Hinweise, dass neben Selbstauskunftsverfahren (z.B. Geräuschüberempfindlichkeitsfragebögen; Mini-Hyperakusis-Fragebogen Mini-HQ9) und strukturierten Interviews (z.B. Strukturiertes Tinnitus-Interview STI) Messungen der Lautstärke mittels der Hörfeldaudiometrie (z.B. Würzburger Hörfeld WHF) eine für Forschung und Klinik bessere Testgüte aufweisen als die Verfahren mittels Unbehaglichkeitsschwellen (UBS; Krause 2007, Flötzinger 2007, Schöffel 2012, Berthold 2013, Goebel et al. 2013 und 2014). Erste Studien verweisen auf die Möglichkeit, mit dem WHF eine zuverlässige Klassifizierung der GÜ aus der Steilheit der Pegel-Lautheitsfunktion ableiten zu können, operationalisiert als Differenz der Schnittpunkte der Individualkurve (IK) mit der unteren Begrenzung (Eintrittsschnittpunkt) des Normbereiches (95%-Konfidenzintervall) und der oberen Begrenzung des Normbereiches (Austrittsschnittpunkt) als Differenzwert in dB („Delta_dB-Wert“). Methode: Der Datensatz setzt sich aus einer Stichprobe von 246 Patienten zusammen, die in der Schön Klinik Roseneck in Prien am Chiemsee im Rahmen einer stationären Psychotherapie u.a. schwerpunktmäßig wegen einem dekompensierten Tinnitus behandelt wurden (113 (45,9%) Frauen, 133 (54,1%) Männer; durchschnittliches Alter 50,3± 9,6 Jahre, Range 18–77 Jahre). Alle Versuchsteilnehmer wurden strukturiert einer standardisierten klinischen und psychoakustischen Diagnostik inklusive einer Hörfeldaudiometrie mittels des WHF unterzogen. Um ein Rekruitment (RK) auszuschließen wurden nur Personen mit Hörverlusten bis maximal 50 dB (250 bis 8000 kHz) eingeschlossen. Ergebnisse: Die Delta_dB-Werte erreichen mit α= 0,848 eine höhere interne Konsistenz als die jeweiligen Ein- und Austrittsschnittpunkte selbst (α= 0,423 bzw. α= 0,750). Für den Mittelwert der vier Delta_dB-Werte über die Frequenzen 500, 1000, 2000 und 4000 Hz (Delta_dB4) zeigt sich eine negative Korrelation von -0,366 (p< 0,01) mit dem Summenwert des Mini-HQ9. Der Wert von Delta_dB4 liegt bei Patienten mit Hyperakusis (HK) mit 32,3 dB deutlich niedriger (p < 0,01) als der Wert bei Patienten ohne HK (53,5 dB). Interpretation: Die Ergebnisse dieser Studie sprechen dafür, dass sich die kategoriale Hörfeldaudiometrie (hier WHF) als valides und weitgehend instruktionsunabhängiges, psychoakustisches Instrument zur Diagnostik und Graduierung der GÜ eignet und der GÜ-Erfassung mittels UBS überlegen ist.

Schlüsselwörter: Geräuschüberempfindlichkeit, Hyperakusis-Schweregrad, Phonophobie, Misophonie, Rekruitment, Kategoriale Hörfeldaudiometrie, Würzburger Hörfeld, Unbehaglichkeitsschwelle, Mini-Hyperakusis Questionnaire (Mini-HQ9), Tinnitus, Hyperakusis-Inventar HKI
 
 
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© 2018 Zeitschrift für Audiologie / Audiological Acoustics